Punkt. - Macht Ihr Telefon Reisen komplizierter?

Macht Ihr Telefon Reisen komplizierter?

Haben Sie das Gefühl, dass Sie immer an der gleichen Stelle enden, egal, wo Sie hingehen: Vor Ihrem Smartphone? Verwenden Sie es oder verwendet es Sie, um "verbunden" zu bleiben? Verbunden mit dem, was die Menschen zu Hause machen. Verbunden mit den neuesten Nachrichten. Verbunden mit der Arbeit. Verbunden mit Spielen, YouTube-Videos, Wikipedia. Verbunden mit Fotos aus dem letzten Urlaub und dem Urlaub davor. Was für eine "Verbindung" ist das wirklich? Diese Situation hat sich irgendwie in unser Leben geschlichen und vielleicht ist es an der Zeit, einige Entscheidungen zu treffen...

Ein Urlaub ist eine Chance zum Abschalten, um neue Dinge zu erleben. Aber wenn wir unsere Geräte nicht ausschalten, wenn wir weiterhin unser Bewusstsein auf Bildsensoren und Speicherkarten auslagern, wenn wir immer noch an das gefesselt sind, was wir vor der Abfahrt getan haben und was wir tun werden, wenn wir zurückkommen, dann ist es fast so, als ob wir eine Art Urlaubsteuer zahlen. Ein Teil unserer Erlebnisse wird abgezogen – nicht um der lokalen Wirtschaft zu helfen, sondern um die Taschen der Aktionäre von Social-Media-Unternehmen zu füllen.

Stellen Sie sich einen klassischen Reisebericht wie Jack Kerouacs "Unterwegs" vor, abzüglich dieser Steuer. Es bliebe nicht viel übrig. Und selbst, wenn wir uns für die vierzehn Tage Urlaub etwas weniger Intensives suchen würden, gälte das Prinzip immer noch. Ob es sich um einen Fall von Pings am Strand oder Livestreaming aus dem Louvre handelt: Etwas wird gewonnen, aber manches ist auch verloren.

Und die Gefahr, sich zu verlaufen? Ja, ohne ein Smartphone könnte das passieren. Und vielleicht wird man irgendwo landen, was sich als der Höhepunkt der Reise herausstellt. Vielleicht entdeckt man das faszinierende Restaurant, das nicht auf tripadvisor.com ist. Am Ende würde man sich mit einigen Einheimischen unterhalten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Dies passt zu der stetig wachsenden Slow-Travel-Bewegung und der Wiederentdeckung von Überlandreisen als realistische Alternative zum Fliegen. Demonstriert durch den Erfolg der englischen Website "The Man in Seat Sixty-One", bei der sich alles um Zugreisen dreht. Es geht nur darum, dort zu sein.

MP 01 Mobile Phone, to travel sans algorithms.

Wenn wir uns entscheiden, einen Urlaub zu erleben, bei dem es sich nicht um die Verarbeitung großer Daten dreht, gibt es ein paar Alternativen. Wir können das andere Extrem wählen und unser Haus ohne irgendeine Art von Telefon oder Tablet verlassen. (Das war eigentlich nie ein Extrem, aber heute leben wir in extremen Zeiten.) Und wir haben Optionen wie das Einstellen unseres Gerätes auf „Minimum“ oder es beispielsweise tagsüber im Hotelsafe zu lassen.

Oder wir können ein anderes Telefon benutzen. Eines, das nur Anrufe und SMS macht. Und dann tauchen wir in eine andere Kultur ein, erleben einige Abenteuer oder genießen ganz einfach nur ein bisschen Frieden und Ruhe.

Der physische Akt des Telefontauschs geht tief. Es ist ein bisschen, wie das Verlassen des Nests. Und es wird immer populärer: Entweder ein billiges Old-Tech-Modell oder mit einem Telefon, das etwas stilvoller und aktueller ist. Die Wahl, ab und zu ein einfaches Telefon zu benutzen, kann heute jeder nachvollziehen. Vielleicht machen es viele nicht selbst, aber sie können sicherlich verstehen, warum es andere tun.

Darüber hinaus gibt auch praktische Vorteile. Nur gelegentliches Aufladen des Telefons ist bei jedermann beliebt. Wenn Sie aber in einer Gegend ohne Hauptstromversorgung sind, macht ein gieriges Smartphone überhaupt keinen Gebrauch mehr. Mit einem einfachen Telefon muss man auch nicht ständig überprüfen, ob das digitale Faktotum einen schlauen Weg gefunden hat, monstergroße Daten-Roaming-Gebühren einzusammeln – es kann immer noch passieren. Und die Bildschirme der einfachen Handys sind oft viel härter als die großen Glasflächen ihrer komplizierteren Anverwandten. Das Ersetzen eines defekten Smartphone-Bildschirms ist schon zu Hause mühsam. Ganz zu schweigen vom Aufwand im Ausland.

Aber es ist das eigentliche „Dortsein“, was bei Reisen wirklich zählt. Sicher, ohne ein Smartphone kann es ein wenig Kuddelmuddel geben, Planungen werden etwas schwieriger und man weiß nicht immer schon im Voraus, was passieren wird. Aber Reisen ohne Algorithmen ist, wo die Action ist.

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