Martha Fiennes

Martha Fiennes ist eine preisgekrönte Filmemacherin, Autorin und Künstlerin. Ihr vielschichtiges Werk wird zunehmend durch technologische Entwicklungen und Ideen aus der zeitgenössischen Kunstpraxis beeinflusst. Gleichzeitig bleibt es mit aller Entschiedenheit der kreative Ausdruck einer hochbegabten Filmemacherin.

 

Instagram: @marthafiennes

Frage 1

Welche Art von Geräten verwenden Sie und wie?

 

Ich benutze ein Apple MacBook und ein Apple iPhone 8.

 

 

Frage 2

Effektivität erfordert Konzentration. Wie anfällig sind Sie für die Ablenkungsindustrie?

 

Eigentlich bin ich nicht so anfällig. Wenn Sie mit „Ablenkungsindustrie“ die sozialen Medien meinen.

Ich gehöre zu der Generation, die ihre Marke, ihren Namen oder dergleichen nicht über die sozialen Medien aufgebaut hat. Der Arbeitsprozess an sich ist meiner Erfahrung nach schon zeitaufwändig genug, zumal, wenn man sich auch noch gleichzeitig um Marketing und Vertrieb kümmert. Aber jeder Mensch ist anders, arbeitet anders und nach anderen Kriterien – klar!

Ich bin auf jeden Fall ein eher besonnener Mensch bzw. bin ich jedenfalls wachsam im Hinblick auf den Wert eines Austauschs. Ich möchte jeden Tag ein Stück weiterkommen – oder dies zumindest versuchen – und mich nicht an einer Kommunikation orientieren, die zu nichts dient.

Dennoch werde ich „abgelenkt“ – oder besser gesagt, orientiere mich sehr stark an der Vielzahl von E-Mails und Nachrichten, die jeden Tag durch mein Leben fließen.

Das meiste davon ist „arbeitsbezogen“ und dementsprechend akzeptabel. Aber die Leichtigkeit der Kommunikation verführt auch zu einer Art Anspruch auf Kommunikation.

Schon wenn man nur den Ball über das Netz zurückschlägt, d. h. Menschen antwortet, bei denen man sich verpflichtet fühlt zu antworten, sind kostbare Stunden des Tages schnell dahin.

 

 

Frage 3

Prominente Persönlichkeiten aus dem Silicon Valley sind dafür bekannt, den Kontakt ihrer Kinder mit der Technik stark einzuschränken. Madonna sagte vor kurzem, sie glaube, dass es ein Fehler war, ihren älteren Kindern schon mit 13 Jahren ein Telefon zu kaufen.

Sehen Sie Unterschiede zwischen Menschen, die aufgewachsen sind, bevor es Smartphones gab und solchen, die danach aufgewachsen sind?

 

Ich weiß, dass die Menschen im Laufe der Jahrhunderte angesichts der „nächsten großen Sache“, die die kommenden Generationen ablenken und zerstören würde, immer wieder die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben.

Im 18. Jahrhundert, als „der Roman“ einen enormen Popularitätszuwachs erlebte, machten sich die Eltern der Mittelschicht Sorgen um ihre Kinder, die „immer mit der Nase in einem Buch“ nicht an der „realen Welt“ teilnahmen. Heutzutage träumen wir davon, dass unsere Kinder Bücher lesen. Im 20. Jahrhundert war es dann das Fernsehen – und die damit einhergehenden intellektuellen Qualen, dass Kinder den Blödsinn sozusagen mit dem Löffel verabreicht bekommen, ohne Möglichkeit zur eigenen Phantasie. Es überrascht nicht, dass heutzutage das Überangebot auf der Info-Autobahn, Smartphones/Laptops/Pads.... und so weiter diskutiert werden.

Ich hingegen neige dazu, an die Intelligenz der menschlichen Rasse zu glauben – oder sagen wir, an ihre potentielle Intelligenz. Ich glaube, es gibt in jedem von uns – zumindest irgendwo – einen Aspekt, durch den wir doch „wissen“, wann etwas nicht funktioniert oder uns nicht dienlich ist. Ich meine, wir sind doch sicher keine kompletten Idioten? Wenn ich an progressiven Wandel denke, dann mit dem optimistischen Glauben, dass wir „herausfinden“, was uns auf einer Ebene dient, auf der anderen hingegen nicht.

War der „Roman“ für die Kinder des 18. und 19. Jahrhunderts so destruktiv und war der „Fernseher“ das, was die Generationen des 20. Jahrhunderts ihrer Phantasie beraubte?

Da stehen wir doch drüber. Und daran sollten wir uns auch immer wieder erinnern.


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