Ein paar Gedanken für die Zwanzigerjahre

Wie wird das nächste Jahrzehnt aussehen?


Die letzten Zwanzigerjahre waren die „Goldenen Zwanziger“. Glamourös ihr Ruf, jedoch lohnt es sich daran zu erinnern, dass zu jener Zeit der Faschismus aufkam und sie in einer Weltwirtschaftskrise endeten, die den größten Konflikt der Geschichte mit verursachte und nur durch ihn beendet wurde.

Gibt es Parallelen zu unserer heutigen Situation? Das Wirtschaftssystem wurde in den 1920er Jahren immer fragiler. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu großen sozialen Umbrüchen. Die Medien verlagerten ihren Fokus auf Prominente. Und dann der Elektronikboom: immer mehr Haushalte hatten Strom, es gab Telefone, Kinos, immer bessere Grammophonaufnahmen, einen allgegenwärtigen Rundfunk und vieles mehr. Ähnlich wie heute.

Joseph Goebbels sagte 1933 bei der Eröffnung der Funkausstellung in Berlin, die Weimarer Republik habe die volle Bedeutung des Rundfunks nicht verstanden. Auch das erinnert an unsere Situation heute.

 

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Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die nahezu universelle Einstellung zur Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) die, „möglichst viel davon zu bekommen“. In den 2010er Jahren begann sich Unbehagen zu regen; zunächst langsam, dann jedoch immer dringlicher. Plötzlich machen wir uns große Sorgen: egal ob es dabei um Todesfälle durch Selfies geht, den langsamen Tod des sozialen Raums, die wachsende Desinformation zur Wahlzeit oder die Normalisierung des Transhumanismus. Der Boom der neuen Technologien scheint weder zur geistigen Unabhängigkeit noch zum Wohlbefinden der Menschen beizutragen, daneben sind ganz verheerende Auswirkungen auf den politischen Diskurs zu verzeichnen. Wir stellen fest, dass wir zwar über mehr Komfort verfügen, gleichzeitig aber auch über weniger Zeit. Die Tatsache, dass die digitale Welt mit dem System Computer den gleichen CO2-Fußabdruck hinterlässt wie der Kraftstoff, der im System Luftfahrt verbrannt wird, ist nicht allgemein bekannt, wird aber irgendwann herauskommen.

 

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Wie sieht die Kampfansage dazu aus? Nun: telefonfreie Kneipen und Restaurants gelten nicht mehr als seltsam. Auch Musiker nicht, die Konzertbesucher bitten, ihr Telefon in der Tasche zu lassen. Anstatt zu versuchen, so viel Technik wie möglich in die Schulen zu bringen, fangen wir damit an, den Technikgebrauch einzuschränken. Und vieles mehr. Kurz gesagt, die Ablehnung der sofortigen Einführung einer jeder neuen technischen Entwicklung wird nicht mehr nur als „retro“ angesehen. Wir beginnen zu erkennen, dass das sehr, sehr wichtig ist.

Und hier nun Berlin, 84 Jahre nach der Rede zur Informations- und Kommunikationstechnologie von Goebbels:

Lieben statt liken

Botschaft auf dem Banner der „Radikale Anti Smartphone Front (RASF)“: Lieben statt liken.

 

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Vielleicht können wir uns ein paar gute Vorsätze für das Neue Jahr vornehmen?
 
  1. Hör auf, wegzusehen. Interessiere dich aktiv für die ständig zunehmende elektronische Invasion unserer mentalen Räume und denk daran, dass dies erst der Anfang ist.
  2. Nimm dir die persönlichen Veränderungen vor, von denen du neuerdings immer wieder hörst: Verbanne Telefone aus dem Schlafzimmer, schränke deine Aktivitäten in den sozialen Medien ein, bemerke Passanten, nimm immer ein Buch zum Lesen mit usw.. Anstatt Apps für die Willenskraft zu installieren, installiere Willenskraft.
  3. Wenn du darüber nachdenkst, deinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, dann denke dabei an den Fußabdruck beim Streamen von Medien.
  4. Und vor allem: Lass dich nicht von der Masse irre machen. Sag jedem, dass du generell per Anruf kommunizierst (in der Regel ist das schneller; und wenn ein Anruf in dem Moment nicht passt, kann man später zurückrufen). Sag deinen politischen Vertretern, dass sie es sind, die die Welt für dich regieren sollen, nicht die großen Technologiekonzerne. Setze ein Zeichen für die nächste Generation. Und fühl dich nicht komisch. Das ist anti-komisch.

Das Punkt. MP02 4G Mobiltelefon

Lass dich nicht von der Masse irre machen

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